Seit sieben Jahren lebt Katharina Ludwig im Wohnhaus Neumühl, in ihrer Wohngruppe fühlt sie sich wohl. Mit der Unterstützung ihrer Betreuer ist sie immer selbständiger geworden, und so wächst der Wunsch der 24-Jährigen, auf eigenen Beinen stehen. Doch sie fragt sich: Kann ich das jetzt schon?

Das Amalie Trainingswohnen hat ihr die Gelegenheit geben, das selbständigere Leben auszuprobieren. Seit Anfang 2021 macht die ASG Menschen mit Behinderungen das Angebot, für bis zu vier Wochen in einer eigens dafür modernisierten und möblierten Zweizimmerwohnung zu leben. Katharina Ludwig war die erste Interessentin, die das Trainingswohnen genutzt hat.

„Irgendwann ausziehen“

„Ich möchte irgendwann ausziehen und wollte probieren, ob ich das schaffen kann“, sagt die junge Frau. Gemeinsam mit ihren Betreuern im Wohnhaus Neumühl wandte sie sich an die ASG-Kollegen vom Ambulant Betreuten Wohnen, führte ein erstes Kennenlerngespräch und schaute sich die Wohnung in Duisburg-Hamborn an. „Ich habe mich gleich wohl gefühlt und bin im Januar 2021 eingezogen“, sagt die junge Frau.

Anfangs bekam sie Unterstützung von dem vertrauten Betreuer aus ihrer Wohngruppe, anschließend von einer pädagogischen Mitarbeiterin des Ambulant Betreuten Wohnens. Sie kam zweimal wöchentlich, um mit Katharina einkaufen und spazieren zu gehen, zu backen und sich zu unterhalten. Eine wichtige Hilfe im Alltag war auch der Wochenplan, an dem sich die 24-Jährige eigenständig orientieren konnte.

Zufrieden mit den Erfahrungen im Trainingswohnen

Nach ihrer Zeit im Trainingswohnen zieht Katharina Ludwig eine positive Bilanz: „Mir hat es in der Wohnung sehr gut gefallen, und ich weiß jetzt, dass ich auch alleine leben kann. Aber ein bisschen habe ich auch meine Wohngruppe vermisst.“ Dort hat sie nun wieder ihr Zimmer bezogen. Sie will sich Zeit nehmen, um zu überlegen, wann der richtige Zeitpunkt für den Auszug ist und ob sie sich für in eine eigene Wohnung oder für eine Wohngemeinschaft entscheidet. Das Team des Ambulant Betreuten Wohnens wird sie bei Bedarf weiter beraten und begleiten.

Mit dem Auftakt von Amalie Trainingswohnen ist auch ASG-Sozialarbeiter Christian Junghans zufrieden: „Gerade bei Menschen mit Behinderungen ist die Sorge vor einem Misserfolg oftmals groß. Unser Angebot hilft, die wichtigen Fragen zu klären, sich auszuprobieren und den Schritt in ein selbständigeres Leben zu ermöglichen. Der Versuch kann nicht scheitern, denn es gibt immer einen Erkenntnisgewinn.“

Der nächste Nutzer der Trainingswohnung steht bereits fest: Es ist ein Mann, der bis vor einigen Wochen bei seinem Vater lebte. Da dieser jetzt in ein Pflegeheim gezogen ist, sucht sein Sohn nach einer eigenen Wohnung. „Das Trainingswohnen ermöglicht es ihm, das eigenständige Wohnen mit Anleitung einer pädagogischen Fachkraft schon einmal zu üben und sich die benötigte Zeit für die Wohnungssuche zu nehmen“, erklärt Christian Junghans.

Wir bedanken uns sehr für das Gespräch mit Frau Ludwig und respektieren ihren Wunsch, nicht abgebildet zu werden.